Edelkastanie – Baum des Jahres 2018

 

Ökologisch wertvoll und für den Klimawandel geeignet

 

26.10.2017  Die  Edelkastanie,  bekannter  unter  dem  Namen  Esskastanie,  wird  2018  im Mittelpunkt  vieler  Aktionen  stehen.  Dies  entschieden  die  Mitglieder  des  Kuratoriums Baum des Jahres heute in Berlin, indem sie sie zum Baum des Jahres kürten. Geliebt wird sie vor allem wegen ihrer stärkereichen und glutenfreien Früchte, bekannt als Maronen. Sie ist nicht verwandt mit der Rosskastanie, sondern gehört zu den Buchengewächsen und wurde mindestens seit der Römerzeit in Deutschland kultiviert.

 

In  Deutschland  gibt  es  die  größten  Vorkommen  im  südwestdeutschen  Raum  in  den klimatisch bevorzugten Weinbauregionen. Zu nennen sind hier der Taunus, die Vorderpfalz, die  Ortenau,  die  Bergstraße,  der  Rheingau,  die  Moselgebiete  und  auch  der  Untermain. Solitär  oder in Gruppen in Parks und  Gärten,  Hainen und Wäldchen  ist sie bundesweit zu finden. 

 

Lichte  Wälder  mit  Edelkastanien  sind  wegen  ihrer  Strukturvielfalt  wertvolle  Lebensräume. Sie  werden  von  einer  großen  Anzahl  von  Insekten  und  Käfern  besiedelt.  An  einzelnen Edelkastanien  wurden  seltene  Flechten  und  Moosarten  entdeckt,  die  teilweise  als ausgestorben  galten.  Auch  für  die  Bienen  ist  sie  eine  wichtige  Nahrungsquelle. Eichhörnchen,  Siebenschläfer  und  Krähen  sorgen  für  die  Ausbreitung  der  Maronen  oder umgangssprachlich „Keschde“ genannten Früchte. Die versteckten Nahrungsvorräte keimen dann,  wenn  sie  vergessen  wurden,  im  Frühjahr.  Aus  den  Samen  gekeimte  Bäume  tragen erstmals mit etwa 25 bis 35 Jahren Früchte.

 

Das  Holz  der  Esskastanie  ist  mit  dem  der  Robinie  das  dauerhafteste,  das  wir  in  Europa haben. Noch heute spielt es als Holz für Rebpfähle eine wichtige Rolle. Ebenso erlebt es eine Renaissance  in  der  Möbelherstellung,  bei  der  Lawinenverbauung im Bergwald und erzielt hohe Preise. Dank ihres hohen Stärkeanteils von 43 Prozent waren die Maronen über Jahrhunderte ein wichtiger Bestandteil der Armenkost im Süden  Europas, bis sie durch die Kartoffel ersetzt wurden.  Aufgrund  ihrer  Glutenfreiheit  und  der  aktuellen  großen  Nachfrage  nach hochwertigen Bio-Lebensmitteln ist die Esskastanie auch in diesem Bereich stark gefragt.

 

Im  vergangenen  Jahrhundert  wurde  die  Esskastanie  durch  einen  eingeschleppten  Pilz  vor allem  in  Südeuropa  dezimiert.  Durch  erfolgreiche  biologische  Bekämpfung  erholt  sie  sich deutlich. Die Edelkastanie wird in unseren Wäldern als klimatoleranter Baum in Zukunft eine deutlich größere Rolle spielen.

                    Foto G. Erbe

                    Foto Karic